In vino sanitas

Wein hält gesund. Foto: R. Müller-Hagen
Wein -in Maßen genossen- hält gesund. Foto: R. Müller-Hagen

"Ein Tag ohne ein Glas Wein ist ein Risiko für unsere Gesundheit". Dies sagte nicht etwa ein weinseliger Winzer auf der verzweifelten Suche nach Verkaufsargumenten, sondern Professor Curtis Ellison, Chefepidemiologe an der University von Boston (USA), vor einem Jahr auf einem internationalen Fachkongress im Deutschen Herzzentrum in München. Eine gerade veröffentlichte Langzeitstudie aus Dänemark bestätigt ihn: Weintrinker haben bei geringer, mittlerer und selbst bei hoher Alkoholzufuhr eine niedrige Herzinfarkt- und Gesamtsterblichkeit - niedriger als Abstinente und vor allem niedriger als Bier- und Spirituosenliebhaber.

Schon in der Schöpfungsgeschichte wird Wein als etwas Besonderes beschrieben. Noah, ein weiser Mann, hatte offenbar schon vor der Sintflut das Wissen, wie man Wein anbaut; nach seiner Landung stieg er von Bord der Arche und pflanzte eine Weinrebe an und baute den Wein aus (Gen 9, 20). Noah gilt damit als erster Winzer dieser Welt, der sich allerdings auch am Wein berauschte - mit bösen Folgen für seinen Enkel Kanaan (Gen 9, 21 - 25). Die Bibel ist aber auch voller Hinweise auf die wohltuende Wirkung des Weines. Am bekanntesten dürfte das Wort von Paulus an Timotheus sein: "Trinke nicht mehr Wasser, sondern brauche ein wenig Wein, um deines Magens willen und weil du so oft krank bist".

Dass nicht nur "veritas", sondern auch viel "sanitas" im Wein liegt, das wusste man schon in der Antike. Hippokrates führte den Wein um 400 vor Christus "offiziell" in die Heilkunst ein. Er nutzte ihn als Kräftigungsmittel für Genesende, als Beruhigungs- und Schlafmittel, bei Kopfweh und Verstimmungszuständen, als Schmerzmittel, bei Herz-Kreislaufstörungen und sogar bei Augenkrankheiten. Außerdem verschrieb er Wein bei Völlegefühl, bei bakteriellen und toxisch bedingten Darmerkrankungen und als Harn treibendes Mittel. Äußerlich wurde dieser zur Wundbehandlung eingesetzt.

Im alten Rom verordnete man schwere rote Weine gegen fieberhafte Magen-Darmerkrankungen, bei Blutungen gerbstoffreiche Weine und gegen Appetitlosigkeit alte Weine. Daneben empfahl man den Rebensaft für Umschläge, Einreibungen und Massagen, vor allem bei offenen Wunden von Schwerverletzten.

Und noch 1892 erklärte die Ortskrankenkasse in Heidelberg in Absprache mit den Kassenärzten eine Flasche Wein als verschreibungsfähiges Therapeutikum. Dann begann der Siegeszug der Pharmazie, und Wein verschwand aus der Heilkunde. Die moderne medizinische Forschung hat erst seit Ende der siebziger Jahre seine vorbeugende Wirkung wieder entdeckt und versucht seitdem, diese mit modernen Methoden zu ergründen.

Wein ist mehr als Alkohol

Wein besteht zu 80 bis 85 Prozent aus Wasser und zu 15 bis 20 Prozent aus verschiedenen Inhaltsstoffen. Diese sind abhängig von den Traubensorten und deren Reifegrad, von Jahrgang, Bodenart, Düngung, Klimafaktoren und Art der Weinbereitung. Verschiedene essenzielle Nährstoffe finden sich im Wein. Bei den Vitaminen sind einige aus der Gruppe der B-Vitamine sowie das Vitamin C in interessanter Menge enthalten. Bezüglich der lebenswichtigen Mineralien und Spurenelementen kann Wein für Kalium und Magnesium sowie für Eisen, Kupfer und Mangan in beachtlichem Maß zur Bedarfsdeckung beitragen. Außerdem sind Hunderte von verschiedenen Polyphenolen enthalten. Alkohol gegen Herzinfarkt ist der "Killer" Nummer 1 in der westlichen Welt. Eine sichere Methode der Vorbeugung gibt es immer noch nicht. In den letzten dreißig Jahren haben Dutzende von Langzeitstudien belegt, dass ausgerechnet ein tägliches Quantum Alkohol das Herzinfarktrisiko stärker senkt als andere Lebensstilmaßnahmen. Eine "Schutzwirkung" ist schon bei einem Konsum von 10 g pro Tag nachweisbar; in den meisten Studien (an Männern) wird im Bereich von etwa 24 bis 36 g pro Tag das Herzinfarktrisiko - je nach Studie - um 20 bis 60 Prozent reduziert.

Von Alkoholgegnern wird gerne eingeworfen, dass man sich lieber mit "gesunder Ernährung" vor Herzinfarkt schützen solle. Bedauerlicherweise funktioniert das aber nicht oder man hat noch nicht herausgefunden, was unter "gesunder Ernährung" genau zu verstehen ist!

Das zeigen neueste Auswertungen großer epidemiologischer Studien aus der Harvard-Universität (Boston, USA).

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