Forschungsanstalt Geisenheim - Geisenheim Research Center

Die Forschungsanstalt für Garten- und Weinbau in Geisenheim/Rheingau wurde 1872 von Freiherr Eduard von Lade als damals Königlich Preußische Lehranstalt für Obst- und Weinbau gegründet.

Eduard von Lade wurde 1817 in Geisenheim als Sohn eines vermögenden Weinhändlers geboren. Mit Export-, Bank- und auch Waffengeschäften im In- und Ausland erwarb er ein beträchtliches Vermögen und konnte sich bereits mit 44 Jahren 1861 in Geisenheim zur Ruhe setzen. Er ließ dort das Monrepos, einen luxuriösen Landsitz im klassizistischen Stil samt ausgedehnten Parkanlagen in der Nähe des Rheinufers errichten. Hier widmete er sich fortan seinen privaten Interessen, zu deren wichtigsten der Obstbau und die Züchtung neuer Obstsorten gehörten.

Dem preußischen König Wilhelm I. sowie Reichskanzler Otto von Bismarck soll er mehrfach Kisten mit ausgewählten Äpfeln und Birnen samt der Bitte, in der für den Obstbau bevorzugten Gegend Geisenheims eine „pomologische Hochschule“ gründen zu dürfen, gesendet haben. Nach einigen Jahren war er damit dann erfolgreich. Auch als Hobby-Astronom war er erfolgreich. Der Lade-Krater (1.3°S 10.1°E) auf dem Mond sowie der Asteroid 340 Eduarda wurden nach ihm benannt.  

Aufgaben der Forschungsanstalt waren anfangs die Forschung, vor allem in den Bereichen Weinbau und Pomologie (griechisch: Lehre des Obstbaus), sowie die Organisation eines Studiums im Garten- und Weinbau in Geisenheim. 1972 wurden Forschung und Ausbildung institutionell getrennt. Die Forschungsanstalt nimmt weiterhin Aufgaben der Forschung in den Bereichen Garten- und Weinbau sowie Getränketechnologie wahr, während die Hochschule RheinMain in enger Kooperation mit der Forschungsanstalt den Fachbereich Geisenheim mit seinen zehn Studiengängen und -richtungen unterhält.

Finanziert wurde die Forschungsanstalt Geisenheim, neben der Einwerbung von Drittmitteln, bis 2011 durch die Länder Hessen und Rheinland-Pfalz, die in einem Staatsvertrag Betrieb und Finanzierung der Forschungsanstalt regelten. Nach Kündigung des Staatsvertrags durch Rheinland-Pfalz im Juni 2010 übernahm das Land Hessen ab 2011 die alleinige Finanzierung.

U.a. wurden die Rebsorte Müller-Thurgau sowie die Grundlagen für das HoheC und Dr. Koch trink 10 in Geisenheim gelegt.

Heute wird an fünf Instituten mit insgesamt 13 Fachgebieten in wissenschaftlichen Projekten interdisziplinär zusammengearbeitet, so beispielsweise zu Themen der grünen Biotechnologie (Hypersensitivitätsfragen, Resistenzzüchtung), zu weinbaulichen Fragen (Alkoholmanagement, Sensorik, Klima), zu zukunftsorientierten Technologien und zu Fragen der Inneren Qualität und Wertgebenden Inhaltsstoffen im Wein-, Obst-, Gemüse- und Zierpflanzenbau.

Campus Geisenheim

Der Campus Geisenheim bietet neben einer hohen Qualität in Forschung und Lehre auch ein hohes Maß an Lebensqualität im täglichen Leben.

Auf einem Campus sind viele interessante Institutionen angesiedelt, allen voran die bereits 1872 gegründete Forschungsanstalt Geisenheim, der Fachbereich Geisenheim der Hochschule RheinMain, die Campus Geisenheim GmbH und der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen.

Man spricht also von einer klassischen „Campus-Hochschule“. Wie schon benannt, ist die weltbekannte Forschungsanstalt Geisenheim historisch definiert der „Hausherr” am Campus. Anfangs waren deren Aufgaben sowohl die Forschung in den Bereichen Weinbau und Pomologie, sowie die Organisation eines Ingenieurstudiums im Wein- und Gartenbau. 1972 wurden Forschung und Ausbildung hochschulpolitisch bedingt institutionell getrennt und an die Hochschule RheinMain angegliedert. Wir haben also heute zwei sehr eng verzahnte Institutionen am Campus, Synergien werden optimal genutzt.

Seit ein paar Jahren ist zudem noch das Gartenbauzentrum Geisenheim des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen mit seinen rund 17 Mitarbeitern insbesondere mit den Fragestellungen des gärtnerischen Versuchswesens und der Weiterbildung im Gartenbau auf dem Campus integriert.

Seit 2008 wird mit der wirtschaftlichen Ausgründung der Campus Geisenheim GmbH das Angebot am Campus noch effektiver und attraktiver gestaltet.

„Die Welt zu Gast bei Freunden”, dieser schöne Leitspruch der Weltmeisterschaft steht auch beispielhaft für das Leben und Arbeiten auf dem Campus Geisenheim. In einer der schönsten Kulturlandschaften Deutschlands treffen sich hier Persönlichkeiten aus der ganzen Welt um sich in Forschung und Lehre.

Mit dem Kulturgut Wein, den wundervollen gartenbaulichen Erzeugnissen und den gestalteten Landschaften haben wir zudem Aufgabengebiete, die viele Menschen begeistern. Die lange Historie unserer Einrichtung und die weltweite Ausrichtung unserer Geisenheimer Absolventen reflektieren dabei in die tägliche Arbeit hinein. Es entwickelten sich seither einige Verbände, Vereine und Verbindungen am Campus; allen voran der 1894 gegründeten Alumni-Verband.