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Tonmergel

Lösslehm über Tonmergel. Die Kombination dieser Feinsedimente steht für einen fruchtbaren, karbonat- und basenreichen Feuchtstandort mit besonderen Reifebedingungen.
     

Der Boden besteht aus zwei sehr unterschiedlichen Substraten: Lösslehm und Tonmergel des Tertiär. Eine organische Auflage sorgt für kontinuierliche Nachlieferung organischer Nährstoffe und verbessert die Bodenstruktur. Darunter folgt der humose, durch angereicherte organische Substanz dunkel gefärbte Oberboden. Der Rigolhorizont besteht aus braunem Lösslehm. Im lockeren Lösslehm kann die Rebe hervorragend Wasser und Nährstoffe erschließen. Auch zirkuliert in den Bodenhohlräumen ausreichend Luft für die Wurzelatmung.
     

Unterhalb des Lösslehm folgt „schwerer“ Tonmergel des Tertiär. Der feine Ton ist sehr dicht und von den Wurzeln nur schwer zu durchdringen. Da auch das Sickerwasser nur langsam in diese Schicht eindringen kann, kommt es im Frühjahr an der Grenze Lösslehm/Ton zeitweise zur Bildung von Staunässe. Der Boden erwärmt entsprechend langsam. Trockenstress tritt dagegen kaum auf. Selbst in Phasen von Trockenheit gewährleistet der Lösslehm eine gute Versorgung mit Wasser- und Nährstoffen.
     

Hervorzuheben ist das sehr große Mineralstoffreservoir des kalkreichen Tonmergels. Er ist reich an verwertbaren Mineralstoffen wie Kalzium, Kalium oder Magnesium.

Das Gestein

Tonmergel sind kalkreiche Feinsedimente. Der Begriff „Ton“ steht für Partikel von einer Größe < 2µ. Es sind die feinsten Partikel der Böden. Vor etwa 18 bis 25 Millionen Jahren wurden im stillen, strömungsarmen Wasser des aussüßenden Tertiärmeeres tonige Sedimente abgelagert. Darin finden sich häufig Fossilien, so die Brackwassermuschel Cyrena, die dem Substrat „Cyrenenmergel“ den Namen gab.

Über dem Mergel wurde der Staub der Eiszeiten – Löss, abgelagert. Löss ist ein vom Wind transportiertes feinkörniges, kalkreiches Sediment. Der Löss wurde im periglazialen Trockenklima der Eiszeiten (Pleistozän) gebildet. Winde bliesen aus der vegetationsfreien Landschaft kalkreichen Staub aus, der anschließend die Landschaft bedeckte. Sickerwasser löst den Kalk und hinterlässt einen tonig-lehmigen Rückstand. Mineralisches Eisen oxidiert und färbt die Bodenpartikel braun. Aus gelösten Bestandteilen bilden sich Tonminerale, der Löss „verlehmt“. Entkalkter, verbraunter und verlehmter Löss wird Lösslehm genannt. Sickerwasser wäscht feine Tonpartikel (<2 µm) aus. Sie reichern sich im Unterboden an. Es entsteht ein Parabraunerde genannter, kalkfreier Boden mit Tonauswaschungs- und Tonanreicherungshorizont. In den Weinbergen sind diese Bodenhorizonte durch Erosion meist abgetragen oder aber durch das „Rigolen“ vermischt.
     

Tonmergelböden finden sich in Hochheim (z.B. Hölle), Wicker (z.B. Nonnberg), Hattenheim (Schützenhaus, Erbach (Marcobrunn) und vielen weiteren Lagen des Rheingaus.                                   
 

Bodeneigenschaften

  • sehr hohe Wasserspeicherung
  • schlecht durchwurzelbar
  • mäßig durchlüftet
  • mäßig erwärmbar
  • kalkreich
  • sehr großes Mineralstoffpotenzial

 

 

 

 

Rigosol aus Lösslehm über Tonmergel.
Ein karbonat- und basen- reicher Feuchtstandort mit guten Reifemöglichkeiten.

 

 

 

Der Main schuf den Hang, Löss kleidete ihn aus. Der Ton staut das Wasser im Unter- grund. Tonmergel bilden weite Bereiche des Untergrundes der Hochheimer „Hölle“. Hölle leitet sich aus dem mittelhochdeutschen Wort „Halde(a) = steiler Berg“ ab und hat nichts mit der Hölle (Fegefeuer) zu tun.