1. Kloster Eberbach

Herzlich willkommen im Kloster Eberbach!

Der Klostersteig beginnt im Kloster Eberbach. Man könnte durchaus erwarten, dass einem hier bald die ersten Mönche über den Weg laufen. Aber Kloster Eberbach ist heute kein Ort klösterlichen Lebens mehr. Und doch ist in der Anlage und den Gemäuern spürbar, dass hier ein besonderes Leben zu finden war. Die Geschichte des Klosters reicht weit zurück in das 12. Jahrhundert. Die Gründung von Eberbach geht zurück auf den hl. Bernhard von Clairvaux. Die damalige Abtei in Clairvaux gründete am 13. Februar 1136 Eberbach als Tochterkloster. Zu Beginn zogen 13 Zisterziensermönche (benannt nach dem ursprünglichen Kloster der Gemeinschaft in Cîteaux/Frankreich) an diesen Ort. Die Mönche fanden sich nicht auf der grünen Wiese wieder, sondern bezogen das Gebäude eines Augustiner-Chorherren-Stifts, das hier schon länger bestand.

Das klösterliche Leben blühte schnell auf, sodass wenige Jahre später bereits über 60 Mönche gezählt wurden, die das Kloster Stück für Stück weiter ausbauten. Eberbach war dann in der Folge auch das Zentrum für die Gründung zahlreicher Tochterklöster.

Die Zisterzienser lebten hier nach der Regel des hl. Benedikt von ihrer Hände Arbeit. Dazu bewirtschafteten sie zahlreiche Höfe, die nicht nur in der unmittelbaren Umgebung lagen, sondern weit verstreut. Hinzu kamen Handelsposten und Werkstätten. Es muss ein sehr lebhaftes Treiben an diesem Ort gewesen sein, das sein Zentrum mehrmals am Tag in den Gebeten in der Klosterkirche fand.

Im 13./14. Jahrhundert wuchs das Kloster weiter, nicht zuletzt durch Schenkungen, die den Besitz vermehrten. Darunter waren auch die ersten Weinberge. Das Kloster entwickelte den Weinanbau und die Weinveredelung weiter. Aufgrund ausgiebiger Zollprivilegien und des nahe gelegenen Schifffahrtsweges konnte das Kloster seinen Wein gut vermarkten, auch gestützt durch die vielen Wirtschaftshöfe, die sich zu Wirtschaftszentren und Gasthöfen entwickelten. Diese Gasthöfe waren nicht selten Ruhepunkt für Pilger.

Mit dem Handel ergab sich Wohlstand, der den Mönchen zugute kam. Wie in anderen Klöstern führte dies auch in Eberbach zu Auseinandersetzungen, da die Konversen, die Laienbrüder, kaum Anteil an diesem Wohlstand hatten.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts lebten etwa 100 Mönche im Kloster Eberbach. In dieser Zeit begann langsam der wirtschaftliche Niedergang. Die Erträge der Anbauflächen saken, nicht zuletzt durch eine unzureichende Düngung der Böden. Zudem konnte das Kloster die bisherigen Pachtzinsen nicht mehr durchsetzen. Auch gingen viele der vorteilhaften Zollprivilegien verloren. In der Zeit des Bauernkrieges wurde Eberbach geplündert. Auch die Reformation hatte Auswirkungen auf das Kloster, als Landesherren zur Reformation wechselten und damit als potentielle Schenker für das Kloster ausfieen. Kriege belasteten das Kloster und seine Wirtschaft schwer. 1553 gab es nur noch 26 Mönche und 14 Konversen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die umfangreiche Klosterbibliothek geplündert. Der Konvent musste das Kloster vorübergehend verlassen. Das ehemals blühende Kloster geriet in einen erbärmlichen Zustand.

Nach politischen Neuordnungen gehörte das Kloster dann im 18. Jh. zu Kurmainz. In dieser Zeit war wieder ein gewisser Aufschwung zu verzeichnen, der auch zu neuen Bautätigkeiten führte.

1803 wurde das Kloster dann – wie viele andere Klöster – in der Säkularisierung aufgehoben. Nach verschiedenen Nutzungen wur-de Eberbach in der Mitte des 19. Jh. als touristischer Ort entdeckt. Das nach dem Kulturkampf einsetzende Bestreben, säkularisierte Klöster wieder zum Leben zu erwecken, machte auch vor Eberbach nicht halt. Da die Regierung dem Kloster aber keine Ländereien für einen wirtschaftlichen Neuanfang zugestand, blieben Verhandlungen zur Wiederbelebung dieses Ortes mit klösterlichem Leben ohne Erfolg.

Heute gehört das Kloster dem Land Hessen, das dafür wiederum die Stiftung Kloster Eberbach gegründet hat, die das Bau- und Kulturdenkmal erhalten und die historische Weinbautradition bewahren soll. Ein Großteil der ehemals klösterlichen Weinberge befindetsich im Besitz der Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach.

Eberbach ist heute ein wichtiger kultureller Ort. Nicht nur viele Touristen finden den Weg hierher. Jahr für Jahr kommen auch viele Musikliebhaber an diesen Ort, insbesondere in die Basilika. Sie ist eine der Hauptspielstätten des Rheingau Musik Festivals.

Das Kloster

Kloster Eberbach hat eine wechselvolle Geschichte; auf und ab, Höhen und Tiefen. Beeindruckend ist an diesem Ort die Fähigkeit des Menschen, Kultur zu schaffen: Sei es die bauliche Ausgestaltung der großen Basilika, sei es die Bewirtschaftung der Ländereien, nicht zuletzt der Weinberge, die die Gegend nachhaltig prägen. Dem Menschen liegt es im Blut, Kultur und damit einen Raum und Rahmen für sein Leben zu schaffen. Er hat Begabungen, die einiges vollbringen können. Der Mensch ist somit nicht nur Teil der Schöpfung, sondern selbst auch Schaffender, Schöpfender.

Heute stehen wir staunend vor dem Gebäudekomplex und ver-suchen uns, das damalige Leben darin vorzustellen. Welche Kraft müssen die Mönche damals gehabt haben, als sie im 12. Jahr-hundert die große Basilika erbauten? Wie ideenreich müssen sie gewesen sein, um die Ländereien zu bewirtschaften, den Weinbau weiterzuentwickeln und Handel zu treiben, als es noch nicht die zahlreichen Verkehrswege unserer Tage gab?


Impulse

Kloster Eberbach liegt abseits der großen Verkehrsströme, eingebettet und beschützt von den Wäldern des Taunus. Hier konnten sich die Mönche auf ihr Eigenes konzentrieren: Auf das Gebet zu Gott und die schöpferische Arbeit im Weinberg des Herrn.

 

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