6. Kloster Marienthal

Herzlich willkommen im Kloster Marienthal!

Nach dem Berg folgt nun ein Tal: Marienthal, ein Wallfahrtsort. Zum Johannisberg kommen alljährlich viele Touristen, nicht zuletzt wegen des Weines. Hier im Tal wächst kein Wein. Hierher kommen die Menschen seit Jahrhunderten, um die Gottesmutter Maria um ihre Fürsprache anzurufen.

Die Chroniken sagen, dass hier Anfang des 14. Jahrhunderts an einem Baum ein Marienbild zu finden war: Die schmerzhafte Mutter mit ihrem toten Sohn Jesus auf dem Schoß. Ein Jäger erinnerte sich daran, als er durch einen Unfall sein Augenlicht verloren hatte. Er kam mit seinem Leiden hier zur Muttergottes. Sein Gebet wurde erhört und er konnte wieder sehen. Sein damaliger Herr nahm das zum Anlass, hier im Jahr 1313 eine Kapelle zu errichten. Da immer mehr Wallfahrer kamen und von Gebetserhörungen berichtet wurde, wurde bereits 1330 eine Kirche eingeweiht. Bis ins 15. Jahrhundert hinein kümmerten sich Weltpriester um den Wallfahrtsort. Aufgrund des Zeitgeistes ging die Bedeutung der Wallfahrt in der Mitte des 15. Jahrhunderts zurück. 1463/1465 kamen dann aber die Brüder vom Gemeinsamen Leben (wegen ihrer Kopfbedeckung auch „Kugelherren“ genannt) aus Köln nach Marienthal und belebten den Ort wieder. 1468 richteten sie im Kloster eine Druckerei ein, also im Todesjahr des Johannes Gutenberg. Hier stand damit die erste Klosterdruckerei der Welt.

Um etwa 1550 mussten die Kugelherren aus wirtschaftlicher Not Marienthal verlassen. Marienthal wurde fortan Heimat für fünf Augustinerchorherren, die hier 1568 einzogen. Es gelang ihnen aber nicht, die Wallfahrt wieder aufleben z lassen. Die Augustiner verließen Marienthal wieder. 1612 übergab der Mainzer Erzbischof Marienthal an die Jesuiten. Die Wallfahrt blühte wieder auf und mit ihr die Verehrung der Gottesmutter. Die Jesuiten trotzten so manchem Schicksal, einer Feuersbrunst ebenso wie den Folgen des Dreißigjährigen Krieges. Ein Ende bereitete ihnen dann aber die Aufhebung des Jesuitenordens 1773 durch Papst Clemens XIV., eine Folge von politischem Druck und verschiedenen Verschwörungstheorien.

Das Gnadenbild wurde in die Pfarrkirche in Geisenheim gebracht. Einheimische begannen mit dem Abriss der Kirche, bis ein schwerer Unfall als Fingerzeig Gottes gedeutet wurde: Sofort unterbrach man den Abriss. In der Folgezeit verfie die Kirche zur Ruine. Im Mittelschiff der zerstörten Kirche wuchs eine große Linde, die den Ort quasi beschirmte.

1846 kaufte Fürst von Metternich die Reste der Kirche und des Klosters. Zusammen mit dem Limburger Bischof Peter Josef Blum, der aus Geisenheim stammte, baute er die Kirche wieder auf. Am 8. September 1858 wurde sie neu geweiht. Das Gnadenbild wurde in großer Prozession aus der Pfarrkirche wieder nach Marienthal zurückgebracht. Kurze Zeit kümmerten sich Weltpriester und Jesuiten um Marienthal, bis 1873 die Franziskaner nach Marienthal kamen. Sie tragen bis heute die Wallfahrtsseelsorge.

Das Kloster

Marienthal ist ein Wallfahrtsort. Menschen kommen in Gruppen oder einzeln mit ihrem Leben an diesen Ort und nicht selten mit ihren Sorgen und Lasten. In der schmerzhaften Mutter, die ihren toten Sohn auf dem Schoß trägt, erkennen sie eine Schwester im Glauben, die ihre eigene Not mitträgt. „Bitte für uns, o heilige Gottesmutter“ ist ihr Gebet. Viele zünden an diesem Ort in ihrem Anliegen auch eine Kerze an und erfahren so ein Stück Erleichterung in ihrer Last. „Wenn es dir gut tut, dann komm!“ hat der hl. Franziskus einmal an einen seiner Mitbrüder geschrieben, dem es nicht gut ging. Franziskus ist wie Maria ein Begleiter im Glauben und im Mittragen von Not. So hat er es selbst in seinem Leben getan, wenn er Notleidenden beigestanden hat. Viele sind auch heute Not-Leidende, mögen sie mit großer Not oder kleinen Anliegen kommen.

Impulse

Zu Marienthal gehört ein kurzer Prozessionsweg, der am Klostergebäude beginnt und wieder zurück zur Kirche führt. Er kann auf dem Klostersteig ein Weg zum Verweilen sein: Ein Weg, seine eigenen Anliegen vor Gott zu tragen und die Gottesmutter um ihre Fürsprache anzurufen. Ein Weg, den man in seinem eigenen Tempo gehen kann und der am Ende in die Wallfahrtskirche führt. Unterwegs sein mit seinen eigenen Gedanken, mit seinen eigenen Sorgen und Nöten, im Gebet …

 

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