5. Basilika Schloss Johannisberg

Herzlich willkommen im Kloster Johannisberg!

Weit kann man von hier in den Rheingau blicken, wenn man einmal hinter die Basilika geht. Und man kann auf die andere Rheinseite schauen. Dort, direkt gegenüber in Ingelheim, schaute – so eine Legende – vor 1200 Jahren Kaiser Karl der Große von seiner Pfalz über den Rhein und stellte fest, dass auf der Anhöhe gegenüber der Schnee immer etwas früher schmolz. Er beschloss daraufhin, hier einen Weinberg anzulegen. Wie Sie sehen: Bis heute wächst und gedeiht hier der Wein.

Historisch gesehen steht man auf dem „Bischofsberg“, denn dieser Teil des Rheingaus wurde unter Kaiser Otto II. im 10. Jh.  an die Mainzer Erzbischöfe gegeben. Ein Mainzer Erzbischof war es dann auch, der hier um 1100 durch die Abtei St. Alban in Mainz eine Mönchsgemeinschaft ansiedeln ließ. Wenig später bildeten die Benediktinermönche ein eigenständiges Kloster. Zu dieser Zeit wurde auch die Basilika gebaut und dem hl. Johannes dem Täufer geweiht. Von diesem Heiligen leitet sich dann auch der heutige Ortsname „Johannisberg“ ab. Die Benediktiner ließen sich hier auf der Anhöhe nieder, im Gegensatz zu den Zisterziensern, die sich eher in Tälern ansiedelten und auf ihre Kirchen nur bescheidene Dachreiter setzten (wie in Eberbach).

Nach anfänglicher Blüte verfiel das klösterliche Leben an diesem Ort. Nach der Zerstörung in den Bauernkriegen wurde das Kloster 1563 ganz aufgehoben. Im Jahr 1716 kauften es die Fürstäbte von Fulda, die sich hier eine schöne Sommerresidenz in barockem Stil bauten. Die Kirche wurde wieder hergerichtet und blieb erhalten. Die anderen Gebäude des Klosters wurden zu einem Schloss umgestaltet. Der Johannisberg war damit eine Exklave von Fulda mitten auf Mainzer Gebiet. Das hatte im Jahr 1775 eine weitreichende Folge: Denn die Erlaubnis zur Weinlese musste fortan in Fulda eingeholt werden. Im Zeitalter reitender Boten war somit ein Kurier des Fürstbischofs mit der Erlaubnis zur Wein-lese unterwegs zurück nach Johannisberg, wo man ihn sehnlichst erwartete. Dort kam er aber so spät an, dass die Trauben bereits zu faulen begonnen hatten und zusammenschrumpften. Warum der Reiter mit solcher Verspätung eintraf, ist Stoff für eine weitreichende Legendenbildung (vgl. www.rheingau.de/wein/spaetlese). Die Trauben wurden dennoch geerntet und siehe da:  Die späte Lese war für die Trauben kein Nachteil. Im Gegenteil: Die Fäule war eine Edelfäule, die dem Wein zu einem besonders guten Geschmack verhalf. Die Spätlese war geboren. Kein Wunder, dass man dem Spätlesereiter ein Denkmal setzte. Eins davon steht hier im Schlosshof.

In der Säkularisierung fiel er Johannisberg an die Oranier, die die Gebäude und den Weinanbau erhielten. 1815 kam Johannisberg durch einen Wiener Sondervertrag an Österreich. Kaiser Franz I. verschenkte das Schloss an Fürst Clemens Wenzel Lothar von Metternich-Winneburg. Da es in der Linie dieses Hauses keine Nachkommen gab, ging das Schloss 2006 auf neue Besitzer (die Industriellenfamilie Oetker) über.

Das damalige Kloster der Benediktiner war immer auch für die Seelsorge zuständig. Deshalb war die Klosterkirche zugleich immer auch die Kirche der Gemeinde vor Ort, was sie bis auf den heutigen Tag geblieben ist. Die heutige Kirche ist in Teilen ein Wiederaufbau nach dem Krieg. Kirche und Schloss wurden bei einem Bombenangriff 1942 stark zerstört.

Das Kloster

Die Basilika wirkt in ihrem Inneren sehr nüchtern. Es gibt kaum Skulpturen und Bilder. Dennoch zieht sie jeden Besucher auf bestimmte Weise an und lässt ihn durch den Kirchenraum schreiten. Sie gibt Raum: Raum für Gedanken, für Erinnerungen, Raum für den Glauben und für die Begegnung mit Gott. Nichts lenkt ab. – Wo ein Stück Leere ist, ist Raum für die Erfahrung des anderen,den ich nicht greifen kann und der sich doch zeigt.

Sichtbar wird der Glaube hier besonders dann, wenn Menschen zum Gottesdienst zusammenkommen und den Raum erfüllen. Man kann sich gut vorstellen, wie hier damals die Mönche zum Gebet zusammenkamen und dem Raum, ja dem Glauben Lebendigkeit gaben. Heute bin ich hier auf meinem Weg: Ich mit meinem Leben. Mit meiner Vergangenheit und mit meiner Zukunft. So wie viele andere auch.

Wo möchte ich morgen ankommen? Wo möchte ich im Leben einmal ankommen? Was könnte mein „Vermächtnis“ sein, so wie diese Kirche ein Vermächtnis anderer Generationen ist? Was soll die nächste Generation von mir mitbekommen? Vielleicht sind das Gedanken, die einem hier oder später bei einem Glas guten Weins kommen können…

Impulse

Hier in Johannisberg ist die Mitte des Klostersteigs erreicht. In der Mitte eines Weges erlebt man oft einen Wandel: Ein gutes Stück liegt hinter einem und nun nimmt man das Ziel, das deutlich näher gerückt ist, neu in den Blick. Im Leben müssen wir manches zurücklassen und gehen dennoch weiter nach vorne. Manches aus der Vergangenheit relativiert sich. Manches sieht man in einem anderen Licht. Und doch ist und bleibt es Teil von einem selbst.

Sie sind nun bei der Hälfte des Weges angekommen. Als Pilger/-in zu Fuß werden Sie hier vielleicht erst einmal bleiben und am nächsten Tag weiterziehen. Schließen Sie das Pilgerbuch und genießen Sie Landschaft und Wein. Morgen geht der Weg weiter.

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