Rheingauer Riesling

Der Riesling zählt neben Chardonnay, Sauvignon Blanc und Muscat zu den klassischen vier Weißwein-Rebsorten und ist trotz seines weltweit minimalen Anteils von vier Prozent in fast allen Anbauregionen der internationalen Weinwelt zu finden: mal sporadisch als schmückende Ergänzung des Sortiments oder als Aushängeschild. Für manchen Winzer ist Riesling ein ernsthaftes Experiment oder Liebhaberei.

Im Rheingau ist Riesling die Hauptrebsorte und für die Winzer zwischen Hochheim und Lorchhausen ein Teil ihres Lebens. Denn Riesling fordert in Weinberg und Keller ein hohes Maß an gesundem Ehrgeiz, Erfahrung und vor allem Leidenschaft. Wie keine andere Rebsorte ist Riesling ein Wagnis, eine spannende Gratwanderung durch die Reifeperiode einer Traube, dabei immer wieder eine handwerkliche Herausforderung für den Winzer und entsprechend eine geschmackliche für die Konsumenten.

Riesling wird leicht unterschätzt! Doch die Rebsorte steht nicht nur für langlebige Weine, sondern kann vor allem exakt die Charakteristik der Weinbergslage zum Ausdruck bringen, ohne dabei ihre eigene Typizität zu verleugnen. Riesling bleibt immer authentisch! Und obwohl sich der Riesling weltweit einer gewissen Beliebtheit erfreut, passt die Rebsorte nicht in das Bild einer globalen Weinwelt mit standardisierten Geschmackstypen und kopierbaren Stilistiken.

Riesling ist anders! Es ist eine einfallsreiche Rebsorte, die in ihrer einzigartigen Kombination von Säure und Extrakt immer wieder mit neuen Varianten und Finessen überrascht, die mit Geschmack spielt und dabei alle Süßegrade auskostet. Denn Riesling erlaubt eine Vielfalt an Stilen, die von trocken bis edelsüß reichen und auch mit niedrigen Alkoholgraden geschmacklichen Glanz und geschliffenen Aromenreichtum ins Glas bringen. Dabei zeigt sich die Rebsorte in ihrer ganzen Größe nur dem, der sich nicht mit dem ersten Schluck zufrieden gibt. Denn kosten ist zu wenig, Riesling will ganz ausgekostet werden. Riesling ist anziehend, gleichzeitig abweisend, bis man ihm die Aufmerksamkeit widmet, die er für sich beansprucht. Er ist wie ein gutes Buch, das man aufmerksam lesen muss, manchmal zweimal und zwischen den Zeilen, um alles zu verstehen: Die Feinheiten, die Struktur und das harmonische Zusammenspiel der Aromen.

 Die Stärke des Rieslings liegt in dieser herausfordernden Begegnung mit feinen und eleganten Nuancen, in der geschmacklichen Auseinandersetzung mit dem Facettenreichtum von zitrusartigen bis süßen Honig-Aromen. Dazu kommt das fast tänzerische Spiel der recht pikanten und prononcierten Säure, die Finesse und das Brillante zum Vorschein bringt. Das Widersprüchliche in seinem Charakter ist die konstante Vielfältigkeit, jener Spielraum, den der Riesling in seiner langen Vegetations- und Reifephase zulässt. Darin liegt sicherlich ein Grund für den Riesling-Mythos, den die Rebsorte zweifelsohne umgibt. Denn sicher ist, dass keine andere weiße Rebsorte dem Verbraucher die Chance bietet, in einem reinsortigen Wein diese Vielfalt an geschmacklichen Facetten zu entdecken und zu erleben. Mit Riesling können Winzer Geschmack machen, darin liegt die Spannung der Rebsorte.

Der Rheingau ist die beste Gelegenheit, die Vielfalt des Rieslings zu entdecken und damit seine Existenz in der Weinwelt zu rechtfertigen.

 

 

In trockenen, flachgründigen, steinigen Südhängen wächst hier keine Rebe besser, als der Riesling. Er braucht die Sommersonne, aber er vermag auch viel besser als andere Rebsorten dem Rost des Winters zu widerstehen.