Rebe und Sortenanbau

In der Antike

legte man bereits Wert auf Sorte und Herkunft eines Weines. Zu Homers Zeiten begnügte man sich nicht mit einfachem Landwein, sondern suchte sich besondere Sorten von auswärts zu beschaffen. Die Römer verwendeten in Deutschland Rebsorten, die den einheimischen Wildreben und Sorten wie Burgunder und Riesling nahestanden.

Ein Qualitäts- und Sortenbewusstsein

hat sich in Deutschland erst ab dem Mittelalter etabliert. Grund dafür war die damals einsetzende Schwefelung zur Haltbarmachung des Weines. Damit behielt der Wein seine Farbe und das sortentypische Bukett. Die besonderen Geschmacksnoten einer Rebsorte blieben so im Wein erkennbar.

Im 16. und 17. Jahrhundert kam der Gebrauch der Rebsorte als Bezeichnung der Weinsorten auf. Qualitätssorten waren Muskateller, Roter Burgunder,
Räuschling, Riesling und Traminer.

Sicherheit durch Vielfalt

war für lange Zeit im Weinbau die Devise. Ein Weinberg enthielt mehrere Rebsorten (Mischsatz). Frühreife Sorten sicherten die Süße, spät reifende die konservierende Säure und Massenträger die Menge. Die Erfahrung zeigte, dass so zuverlässigere Ernten zu erzielen waren als mit dem Anbau einer einzelnen Sorte.

Sortenreine Weinbergsanlagen

setzten sich im 19. und 20. Jahrhundert durch. Vorreiter waren die größeren
Weingüter. Die Technik der Klonselektion half, die Erträge zu steigern und zu sichern. Man wählte (selektierte) die besten, also ertragreichsten Einzelstöcke einer alten Anlage, um daraus neues Pflanzgut zu gewinnen.

80 Rebsorten

sind in Deutschland für den Anbau zugelassen. Aber nur eine kleine Zahl Weißwein- und Rotweinsorten stellen ¾ der deutschen Anbaufläche. Auf Rheingauer Weinetiketten dominieren Riesling und Spätburgunder. Das deutsche Weingesetz von 1971 erlaubt die Nennung einer Rebsorte auf dem Weinetikett, wenn der Wein mindestens zu 85% aus dieser Rebsorte besteht.

Neue Begriffe für Weintypen sind „Classic“ und „Selection“. „Classic“ signalisiert dem Weinkäufer, dass es sich um einen Wein von einer gebietstypischen Rebsorte handelt, der von gehobener Qualität und „harmonisch trocken“ ist  (Restzuckergehalt: Säure x 2; max 15 g/l). „Selection“ steht für trockene Spitzenklasse von ausgewählten Standorten mit geringem Ertrag und Handlese.