Fluss und Schiene

Der Main
524 km hat der Main zurückgelegt, wenn er sich wenige Kilometer von hier in den Rhein ergießt. Zuvor wird er bei der „Kostheimer“ Schleuse noch sein letztes und jüngstes Wasserkraftwerk antreiben, das für etwa 5.000 Haushalte Öko-Strom liefern kann. Die Schleuse zählt zu den meistfrequentierten in
Deutschland.

Fischreich diente der Main seit jeher seinen Uferbewohnern als Nahrungsquelle und dem Fischereierwerb. Als Transportweg nutzten ihn schon die Römer. Seit Erfi ndung der Dampfmaschine wurden ab Anfang des 19. Jahrhunderts Ruder und Segel nach und nach durch Motorkraft ersetzt. Dadurch starb auch das Gewerbe der „Leinreiter“ aus, welche Schiffe an langen Leinen mit Pferden gegen die Strömung mainaufwärts schleppten. Der „Leinpfad“ verlief eng am gegenüberliegenden Ufer entlang.

Nach dem Schleppprinzip funktionierte ab 1886 auch die Kettenschifffahrt.
Sie nutzte eine von der Mainmündung bis Bamberg im Flussbett verlegte stabile Metallkette, an der sich die Schiffe mittels auf dem Deck installierter  Motorwinden den Fluss entlanghangelten, um im Gefolge bis zu 8 Kähne zu schleppen. Der eigenartigen Geräuschentwicklung wegen wurde das Kettenschiff im hiesigen Volksmund die „Mookuh“ genannt.

Fluss und Klima
Viele Weinbaugebiete liegen an großen Flüssen, aber: Hat ein Fluss einen positiven Einfl uss auf die an seinen Ufern wachsenden Reben? Weder ist ein mildernder Einfl uss auf das Klima nachweisbar, noch bietet die Reflektion der Sonnenstrahlen großen Vorteil. Und schon gar nicht wirkt ein Fluss wie ein Wärmespeicher. Weinbau braucht einen Hang! Hier ist die Einstrahlung hoch und die Frostgefährdung gering. Rhein und Main gebühren große Verdienste um den Rheingauer Wein: In Jahrmillionen haben sie sich in den Untergrund
eingeschnitten und so die von der Sonne begünstigten Südhänge geschaffen.
Wichtig ist aber, dass die nachts entstehende Kaltluft am Hang ungehindert abfl ießen kann.