Wo der Sekt in Strömen floss

Der Gastwirt Ignatz Schweickardt versektet Hochheimer Weine der Jahrgänge 1833 und 1834, nachdem er einige Jahre in der Champagne die Herstellung moussierender Weine „ganz vollständig“ erlernt hatte. Die Erfahrung mit diesen Jahrgängen zeigte, dass sich Hochheimer Weine besonders gut zur Produktion von dem, was wir heute Sekt nennen, eigneten. Diese Weine, im Englischen auf „Hock“
(von „Hochheim“) verkürzt, wurden als Sekt zu dem später berühmten „Sparkling Hock“, der sich lange internationaler Berühmtheit erfreute.

Die Sektstadt Hochheim am Main war geboren. Zusammen mit Carl Burgeff gründete Schweickardt 1836 die Sektkellerei „Burgeff & Schweickardt“, die nach schwierigen Anfangsjahren, die mutig durchgestanden wurden, schnell wuchs.
Kunden zu jener Zeit waren P. A. Mumm aus Frankfurt, A. Henkell & Co aus Mainz und J. Graeger aus Mühlhausen, später alles berühmte Namen von Sekthäusern.

Der Export spielte gleich eine große Rolle. Carl Burgeff förderte ab 1841 aus
London die Entwicklung des Weltgeschäfts seiner Firma: Sparkling Hock von
Burgeff, besonders der frische „Burgeff Grün“, wurden weltberühmt.
Die Firma, die ab 1857 Burgeff & Co., Hochheim am Main, hieß, erweiterte die Sektkellerei kontinuierlich, um mit dem steten Wachstum Schritt zu halten. Viele
erfolgreiche, aber auch viele schwierige Jahre folgten unter der Führung der Familie Hummel, bis 1978 der kanadische Konzern Seagram die Sektkellerei
übernahm. Neben der Marke Burgeff Grün, die dann in den 90ern eingestellt wurde, versektete man für die Marken Mumm und seit 1998 Jules Mumm.

1984 kam die Sektkellerei Matheus Müller in Eltville zur Firma Seagram, die ihre Verwaltung dann 2001 vom Geheimrat-Hummel-Platz 1 in Hochheim nach Eltville verlegte. Ein Jahr später übernahmen die Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien die deutsche Organisation der Seagram mit den Kellereien in Eltville und Hochheim am Main.
2006 erwarben Gunter Künstler und Norbert Gruner die Gebäude und Keller von Burgeff, der ältesten rheinischen und einer der bedeutendsten deutschen Sektkellereien, als neuen Sitz für ihr „Weingut Künstler“. In den großen Tanks in einem Teil der Sektkellerei reifen noch heute die Cuvées für die Sektmarken Mumm und Jules Mumm. Die große Sekttradition lebt weiter …