Historische Grenzsäule

Von hier aus erblicken Sie in der Ferne, auf einer Weinbergsmauer an der Landstraße, eine helle Säule. Es ist die „nassauisch-preußische Grenzsäule“.
Politische Grenzen werden neu gezogen, Grenzsteine hingegen überdauern
den Wandel.

Hochheim wird nassauisch

Ursprünglich markierte die Säule die ab 1803 bis 1866 hier verlaufende Grenze
des Herzogtums Nassau auf zuvor Kurmainzer Territorium. Der Franzosenkaiser
Napoleon I. hatte im Bestreben, den Rhein zur französischen Grenze zu machen, linksrheinischen Besitz, u.a. der Nassauer, in Beschlag genommen.
Aus dem zu gleicher Zeit verstaatlichten weltlichen Kirchenbesitz  (Säkularisierung) wurden die Nassauer mit rechtsrheinischen Gebieten entschädigt. So war dann Hochheim am Main nicht mehr kurfürstlich, sondern nassauisch regiert.

63 Jahre lang hielt sich Nassau in seinen Grenzen. Im Krieg 1866, zwischen Österreich und Preußen, stand Nassau an der Seite Österreichs, das den Krieg verlor. Infolgedessen annektierte Preußen das Herzogtum Nassau. Hochheim wurde damit preußisch.

Adler ersetzt Löwe

Die aus Lahnmarmor gefertigte Grenzsäule wurde von den neuen Landesherren
weiter genutzt. Die ursprünglich mit dem nassauischen Löwen versehene Säule wurde umfunktioniert. Die Inschrift „Königreich Preußen“ wurde eingemeißelt und das abgeschlagene Löwenemblem durch eine gusseiserne Platte mit dem Preußenadler ersetzt.

Über den späteren Untergang Preußens hinaus hat die Grenzsäule die Zeit des Nationalsozialismus mit dem 2. Weltkrieg und gelegentlichen Vandalismus relativ unbeschadet überdauert. Sie ist ein steinernes Dokument bewegter Landes- und Ortsgeschichte. Unter aktiver Mitwirkung der Arbeitsgemeinschaft Alt-Hochheim
wurde die Grenzsäule restauriert und im Bestand gepflegt.

„Nassauern“
Das Wort Nassauer (Verb: „nassauern“) hat die Bedeutung von jemandem, der vorgibt, etwas zu sein, um dadurch einen Vorteil zu erlangen. Das Herzogtum Nassau verfügte über keine eigene Universität. Um den Studenten einen Anreiz zur Aufnahme des Studiums an der Universität Göttingen zu bieten, gewährte der Herzog von Nassau Stipendien in Form einer kostenlosen Verköstigung. Die Stipendiaten konnten bei einem Göttinger Vertragswirt kostenlos essen. Nutzte ein Nassauer Student dieses Angebot nicht, nahm häufig ein Fremder, Unbefugter, der sich als Nassauer ausgab, dessen Platz und das freie Mahl ein.

Die „nichtberechtigte Inanspruchnahme von Leistungen“ erfolgte also nicht durch Nassauer, sondern immer durch Nicht-Nassauer!